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zum ersten Teil
Referat
von Frau Dr. Krege in der Transsexuellen-Selbsthilfegruppe
Essen Mai 2002.
Zweiter
Teil
Der
nächste Schritt ist nun, daß die Eichel, aus der
nachher die Klitoris werden soll, mit dem Gefäßnervenbündel
abpräpariert wird. Dieser Schritt des Abpräparierens
dauert ungefähr eine Stunde, das heißt, wir nehmen
uns diese Zeit, denn das ist ja eine sehr feine und dünne
Schicht, da kann es eben schon passieren, daß man Gefäße
oder Nerven verletzt, so daß später die Durchblutung
der Eichel/Klitoris beeinträchtigt wäre oder aber
die Sensibilität. Deshalb nehmen wir uns da viel Zeit.

Hier haben wir nun dieses Ergebnis erzielt. Das heißt,
wir haben hier noch die vollständige Eichel mit dem Gefäßnervenbündel,
und hier haben wir noch alle drei Schwellkörper, oben die
beiden Corpora cavernosa und unten das Corpus spongiosum, welches
die Harnröhre enthält, hier mit Katheter.
Der
nächste Schritt ist dann, daß man die beiden Corpora
cavernosa vom Corpus spongiosum trennt und dann zunächst
einmal die beiden Corpora cavernosa bis zum Knochen verfolgt.
Sie reichen ja bis zum Schambein und machen dort einen Knick
nach hinten. An diesem Knick an jeder Seite werden sie möglichst
nah am Knochen abgesetzt, weil man keine großen Stümpfe
haben möchte, die nachher bei sexueller Erregung anschwellen
würden und dann dazu führen würden, daß
der Introitus eingeengt ist. Sie werden also möglicht nah
am Knochen abpräpariert.
Hier
sieht man wieder das Gefäßnervenbündel mit der
späteren Klitoris, die Corpora cavernosa sind entfernt,
Sie sehen also hier nur noch das Corpus spongiosum, welches
auch schon ein Stück gekürzt ist, mit Harnröhre
samt einliegendem Katheter. Das Corpus spongiosum enthält
ebenfalls Schwellkörpergewebe. Von Frau Dr. Spehr habe
ich es so gelernt, daß man am Corpus spongiosum Durchstechungen
setzt und das Gewebe sozusagen abknotet, so daß die Durchblutung
gestört und das Gewebe schließlich atrophisch wird.
Wir haben uns mittlerweile angewöhnt, das Gewebe weitestgehend
wegzuschneiden. Denn erstens müßten das Fäden
sein, die sich nicht auflösen; die kann man eventuell spüren,
und dann ist es einmal passiert, daß wir einen Faden durch
die Harnröhre gestochen haben. Dies verursachte anschließend
eine Fistel, und der Urin floß in eine Schamlippe. Das
Problem ließ sich so lösen, daß der Faden im
Rahmen einer Harnröhrenspiegelung durchtrennt wurde und
noch zwei Wochen ein Katheter belassen wurde bis die Fistel
sich verschlossen hatte. Doch ich denke, daß die Entfernung
des Gewebes besser ist. Aufpassen muß man natürlich,
daß man nicht zu nah an die Harnröhre kommt; dann
würde man wieder deren Durchblutung beeinträchtigen
oder gar ein Loch hineinschneiden. Natürlich kann man das
wieder nähen - aber das muß ja nicht sein.
Bei
der Penisschafthaut ist hier schon die innere Vorhaut herauspräpariert.
Damit gewinnt man zusätzliche Länge. Sie wissen, der
Penis hat im Bereich der Vorhaut zwei Hautblätter, die
man gegeneinander verschieben kann, und wenn man dann das innere
löst und herauszieht, gewinnt man an zusätzlicher
Länge, und das ist, was nach Beschneidung dann immer fehlt.
Wenn wir an diesem Punkt sind, ist das kurz vor dem gefährlichsten
Schritt des Ganzen, nämlich des Bildens des Raumes für
die neue Scheide.
Zwischen
Harnröhre und Darm hat man nicht viel Platz, um dazwischen
einen Raum zu schaffen. Bei dieser Präparation könnte
man auf der einen Seite die Harnröhre verletzen. Das ist
nicht weiter schlimm, man näht sie wieder und läßt
den Katheter ein bißchen länger liegen. Man könnte
auch den Schließmuskel der Harnröhre verletzen, was
theoretisch dazu führen müßte, daß man
anschließend das Wasser nicht halten kann. Ich habe den
Schließmuskel sicher schon in zwei oder drei Fällen
verletzt, aber glücklicherweise hat die ursprünglich
männliche Harnröhre noch einen inneren Schließmuskel,
der eigentlich nur für den Samenerguß zuständig
ist, der aber das Wasserhalten unterstützt. Ich habe noch
keinen Fall erlebt, bei dem anschließend eine Inkontinenz
bestand.
Frage:
Würde sich der Blasenschließmuskel regenerieren?
Dr. Krege: Nein, eben nicht. Zum Beispiel besteht auch, wenn
man die Prostata wegen Vergrößerung ausschält
oder wegen Krebs vollständig entfernt, die Gefahr, daß
man den Schließmuskel verletzt. Dann sind die Betroffenen
in der Regel inkontinent, und das bessert sich auch nicht. Das
sind allerdings alles Operationen, wo der innere Schließmuskel
wegfällt. Daß es in unserem Fall nicht passiert,
zeugt davon, daß dieser Schließmuskel auch etwas
mit dem Wasserhalten zu tun hat.
Das
Unangenehmste, das nun passieren kann, ist eine Verletzung des
Enddarms. Der Darm ist zwar sauber und gut vorbereitet, so daß
man eine Verletzung nähen kann, möglichst in zwei
Schichten, und denken könnte, alles ist gut. Ich habe mich
einmal darauf eingelassen. Es ließ sich wirklich schön
nähen und sah alles gut aus. Wir haben auch alle Katheter
lange belassen. Es ist aber nicht geheilt, sondern es hat sich
eine Fistel entwickelt. Dies läßt sich dadurch erklären,
daß im Enddarm immer Bakterien sind. Wenn nach wenigen
Tagen Stuhlgang an der Naht vorbeifließt, entzündet
sich die Naht, und es kommt zur Fistelbildung. Und das ist dann
wirklich unangenehm. Wenn man dann wieder operiert, verliert
man immer an Scheidentiefe und es kommt zu Narbenbildung. Daher
muß im Falle einer Darmverletzung die Naht für acht
Wochen geschützt werden durch Anlage eines künstlichen
Darmausganges. Davon sind natürlich weder Patient noch
Operateur begeistert, aber der Ausgang bietet einen sicheren
Schutz, daß die Naht heilen kann. Das Zurückverlegen
dieses Darmausgangs ist eine Sache von einer halben Stunde.
Es passiert aber ganz selten. Wir haben bisher dreimal einen
künstlichen Darmausgang anlegen müssen.
Frage:
Wie kann man es sich praktisch vorstellen, wie wird die Tiefe
geschaffen?
Dr. Krege: Es gibt einen Bereich unterhalb der Harnröhre,
das Centrum tendineum, den man gut tasten kann. Dieses Bindegewebe
muß scharf mit der Schere durchtrennt werden. Dann arbeitet
man sich langsam stumpf im Gewebe zwischen Blase und Enddarm
vor. Ein Haken wird nach unten gehalten, der liegt also sozusagen
direkt auf dem Rektum, um es zu schützen; der andere wird
dann quasi entlang der Harnröhre geführt und dann
dehnt man sich den Raum allmählich auf.
Man sollte immer wieder prüfen, daß es keine Verletzungen
gegeben hat. Ich mache das Zentimeter für Zentimeter. So
sieht man, wenn man in die falsche Schicht gerät und kann
noch wieder zurück. Wenn man schon 5 cm gedehnt hat, kann
es natürlich schon zu spät sein!

Hier
sehen Sie, wie wir die Haken eingeführt haben, mit dem
Eingang zur Scheide. Gleichzeitig ist hier jetzt schon die Penisschafthaut
umgestülpt, so daß das Unterhautgewebe außen
liegt. Der weiche, aufblasbare Platzhalter liegt darin und die
Penisschafthaut ist dann hier am Ende verschlossen.
Der
Platzhalter, den wir nehmen, ist 13 cm lang. Diese Größe
muß passen. Wenn nun jemand mehr Haut hat, ist das nicht
weiter schlimm, dann rutscht der Platzhalter tiefer hinein,
das ist OK. Wir sprechen gleich noch darüber, was man tun
sollte, wenn weniger Haut vorhanden ist. Die 13 cm sollten schon
erzielt werden, das ist sozusagen unsere Standardgröße.
Als nächster Schritt - und das läßt sich nicht
direkt im Bild festhalten - wird die Penisschafthaut nun eingestülpt.
Dann werden die anfangs erwähnten Nähte geknotet und
unterhalb des Schamknochens werden die Durchtrittsstellen für
Klitoris und Harnröhre markiert.
Hier ist die Penisschafthaut eingestülpt. Klitoris und
Harnröhre sind ausgeleitet. Wir erhalten die Glans als
Ganzes. Manche verkleinern sie, aber dabei besteht natürlich
die Gefahr, daß man Nerven verliert. Eine daumengroße
Glans als Klitoris wäre allerdings ein bißchen unnatürlich.
Deshalb werden dreiviertel enthäutet und liegen unterhalb
dieser Haut und nur ein Areal in der Größe des Kleinen-Finger-Nagels
guckt heraus als Klitoris. Die Harnröhre wird durchgezogen
und auf ihre endgültige Länge gekürzt. Beide
Strukturen werden eingenäht und Sie sehen den einliegenden
Platzhalter.
Zum
Schluß werden dann noch aus der Haut des Hodensackes die
großen Schamlippen gebildet. Damit ist die erste Sitzung
beendet. Drainagen werden eingelegt. Zur Harnableitung wird
noch ein Katheter von der Bauch-decke aus in die Blase eingelegt.
Der Katheter, der in der Harnröhre liegt, hat den Sinn,
durch Gegendruck, Blutungen aus dem Restgewebe des Corpus spongiosum
zu verhindern. Er verbleibt für 2-3 Tage.
Dann
wird ein aufwendiger Verband angelegt, der alle zwei Tage gewechselt
wird. Unmittelbar nach der Operation ist es meist schon am nächsten
Tag erforderlich, den Verband zu wechseln. Nach dem dritten
Verbandwechsel ungefähr kann der große Verband abbleiben.
Wir bitten unsere Patientinnen immer, daß sie Miederhosen
mitbringen. Diese müssen dann getragen werden, um den Platzhalter
am Herausrutschen zu hindern.
Den
Patientinnen wir beigebracht, wie der Platzhalter zu gebrauchen
ist. Sie müssen dann erst einmal die Scheide selbst fühlen
und den Platzhalter bedienen lernen, wie man Luft hineinpumpt
und herausläßt, wie er gesäubert und eingeführt
wird. Meist reicht zum Üben ein Tag; dann kann man den
Bauchkatheter abstöpseln, damit die Patientinnen wieder
auf normalem Weg Wasser lassen können. Wenn dies funktioniert,
wird der Katheter entfernt. Der stationäre Aufenthalt ist
damit beendet. Wenn alles ohne Komplikationen läuft, beträgt
der stationäre Aufenthalt ca. 12 Tage.
Nach
frühestens 8 Wochen - man kann den Zweiteingriff auch hinausschieben
- ist eine zweite kleine Sitzung erforderlich. Nach der ersten
Operation sind oft die Schamlippen noch zu groß. Das nehme
ich bewußt in Kauf. Zum einen kann man nach der ersten
OP, die so um die 6 Stunden dauert, nicht mehr unbedingt sagen,
wieviel Haut man wegschneiden kann. Da hat sich dann Wasser
eingelagert. Außerdem ist es immer gut, wenn es im Fall
einer Wundheilungsstörung noch etwas Haut gibt, die man
verschieben und mit der man arbeiten kann. Das sind alles Sachen,
die man bei der zweiten Sitzung korrigieren kann: Schamlíppen
können korrigiert werden. Dann ist es meist so, daß
der hintere Scheidensteg, der auf dem letzten Foto schon ausgesprochen
tief liegt, manchmal den Scheideneingang noch halb verdeckt,
so daß man einen kleinen Bogen machen muß, wenn
man in die Scheide hineingeht. Das entspricht natürlich
nicht der natürlichen Situation Deshalb wird dieser Steg
bei der zweiten Sitzung noch eingeschnitten. Ein normaler Mons
Pubis ist auch noch nicht entstanden. Viele Operateure machen
ja die bekannte Z-Plastik, damit der Mons runder wird. Frau
Spehr hat mir immer gesagt, daß man das bei der ersten
Sitzung nicht machen soll, weil von hier natürlich die
Blutversorgung für die Penisschafthaut kommt. Wenn wir
hier in dieser Sitzung schneiden und diese Gefäße
kompromittieren, dann ist die Gefahr, daß die Penisschafthaut
schlecht durchblutet wird und abstirbt, relativ groß.
Deshalb machen wir diesen Schritt in der zweiten Sitzung, und
wir machen auch kein Z, sondern es entsteht nur eine kleine,
senkrechte Narbe.
Hier
erst noch ein Bild vor der zweiten Sitzung, man sieht die Klitoris,
Harnröhre und die Scheide,
Hier ist nun das Areal Haut eingezeichnet, das wir wegnehmen.
Die seitlichen Fettpolster unter den großen Schamlippen
werden mobilisiert und mit 2-3 Fäden in die Mittellinie
zusammengezogen, damit hier eine Rundung entsteht. Dann werden
die Hautränder wieder angenäht. Die Narbe wird später
von Schamhaar bedeckt.
Was
dabei in der Regel auch zustande kommt, sind kleine Schamlippen.
Manchmal muß man auch ein bißchen modifizieren,
aber Sie sehen hier schon angedeutet, daß sich da Hautfalten
hochziehen. Die werden noch zusammengezogen für einen Klitoris-Hut
und kleine Schamlippen.
Manchmal
muß man noch ein wenig an den kleinen Schamlippen nacharbeiten.

Hier
das Ergebnis nach der zweiten Sitzung. Es befinden sich noch
kleine Pflästerchen auf dem Schnitt der Mons pubis Plastik.

Das
wäre der Zustand dieser Patientin nach wieder vorhandener
Schambehaarung.
Zum
Abschluß noch zu der Frage, was ist, wenn jemand wenig
Penisschafthaut hat. Wir bieten dann an, daß man in der
ersten Sitzung die Scheide durch ein freies Hauttransplantat
verlängert. Das kann man von verschiedenen Stellen nehmen.
Meistens vom Bauch; das hat natürlich die Konsequenz, daß
man hier eine Narbe bekommt. Man kann es auch von den Oberarm-Innenseiten
nehmen, möglicherweise auch von den Oberschenkel-Innenseiten.
Letzteres haben wir noch nicht gemacht. Die Behaarung spielt
keine Rolle, da wir die Haut so dünn präparieren,
daß die Haarwurzeln wegfallen. Dann wird die Haut noch
durch eine Maschine gedreht, so daß sie wie ein Netzstrumpf
erscheint. Die Netzstruktur fördert das Einsprießen
der Blutgefäße besser.
Sie
haben eben das Bild gesehen, auf dem der Platzhalter in die
Penisschafthaut eingestülpt war. Wenn die Penisschafthaut
nun zu kurz ist, verschließt man sie natürlich nicht
an ihrem Ende; man steckt den Platzhalter ein, der dann oben
noch ein Stück herausguckt, weil die Haut zu kurz ist.
Darüber legt man dann das freie Transplantat und vernäht
es mit der Penisschafthaut.
In
70-80% zeigen die freien Transplantate anschließend eine
gute Durchblutung. Man muß natürlich darauf hinweisen,
daß es auch einmal nicht funktioniert. Wenn die Blutgefäße
einmal nicht ausreichend einsprießen, führt dies
zum Absterben des freien Transplantates.
Wird eine freies Transplantat gebraucht, dauert der stationäre
Aufenthalt ein bißchen länger, denn man muß
länger Bettruhe einhalten, damit alles gut heilen kann.
Es dauert auch ein bißchen länger, bis man den Platzhalter
selbst gebrauchen darf, aber das ist nicht das Problem.
Eher
ein Problem, das ich immer wieder sehe, und unabhängig
davon, ob man ein freies Transplantat nimmt oder Darm aufsetzt,
ist, daß sich an der Stelle zwischen der eigenen Haut
und dem Gewebe, welches angesetzt wurde, ein narbiger Ring bildet,
und man dort eine narbige Enge in der Scheide entwickelt. Diese
Enge läßt sich in der Regel durch Schlitzung lösen.
Von den Patientinnen ist natürlich dann ein besonders intensives
Bougieren gefordert.
Alternativ kann man eine zu kurze Schafthaut und damit Scheide
natürlich auch mit einem Stück Darm verlängern.
Dies würde ich aber für einen primären Eingriff
nicht empfehlen, denn dies würde einen zusätzlichen
Bauchschnitt beinhalten, was viel aufwendiger ist. Die Darmscheide
wäre eine zweite Möglichkeit, wenn der Aufbau mit
einen freien Transplantat mißlungen sein sollte.
Frage:
Wie lange muß man bougieren?
Dr. Krege: Als Platzhalter nehmen wir zunächst einen
weichen, da mit einem harten Drucknekrosen entstehen könnten,
sprich das Gewebe könnte kaputt gehen. Letztendlich ist
aber auf Dauer der weiche Platzhalter nicht geeignet. Dann sollte
man einen starren Platzhalter oder Vibrator nehmen. Das erste
halbe Jahr ist das wichtigste, da sollte man sehr intensiv dehnen.
Ich rate immer dazu, den weichen Platzhalter in den ersten 3-4
Monate noch möglichst viel zu tragen, auch nachts. Wenn
nun das Problem besteht, daß der Platzhalter herauszurutschen
droht, dann sollte man sich am besten morgens früh eine
halbe Stunde und eine Stunde abends Zeit nehmen, um gezielt
zu dehnen.
Man kann entweder mit den Fingern dehnen - wobei es wichtig
ist, daß man eine breite Auflage hat, also nicht punktförmig
mit einer Fingerkuppe dehnt, da kann man auch etwas kaputt machen
-, oder den Platzhalter einführen und Luft hineinpumpen.
Dann würde er natürlich sofort hinausrutschen, wenn
man ihn nicht festhalten würde, klar. Aber abends beim
Fernsehen kann man ihn z.B. eine halbe Stunde festhalten. Man
merkt im Verlauf auch selbst, wie lange man den Platzhalter
tragen muß oder wie häufig man dehnen muß.
Dann
ist noch folgendes: Wenn Sie die Scheide mit den Fingern befühlen,
werden Sie nach oben das Schambein spüren und zur Seite
hin die Beckenknochen. Da ist eine gewisse natürliche Grenze.
Das ursprünglich männliche Becken ist natürlich
ganz anders gebaut als das weibliche, und bei denen, die hier
sehr eng gebaut sind, kann es sein, daß die Breite der
Scheide durch diese Knochen begrenzt ist. Das habe ich - allerdings
nur selten - als Problem erlebt. Daran kann man operativ nichts
machen.
Außerdem
kann es sein, daß die Beckenbodenmuskulatur vor dem Einführen
erst entspannt werden muß, weil sie den Scheideneingang
etwas verschließt. Das ist aber bei einer biologischen
Frau auch so.
Frage:
Ist Epilation im Genitalbereich nötig?
Dr. Krege: Ich habe noch keine Patientin erlebt, die
Haare in der Scheide hatte. Diese enden am Introitus. Viele
fragen, ob es nötig ist, eine Epilation vor der OP durchführen
zu lassen - ich sage immer nein. Am Penis selbst sind keine
Haare. Manche Operateuere arbeiten mit einem Scrotallappen,
der natürlich Haare hat. Aber das machen wir nicht.
Zum
Brustaufbau: Dieser kann bei der zweiten OP durch unsere
Gynäkologen vorgenommen werden. Eine Beratung kann während
des ersten Aufenthaltes erfolgen.
Frage:
Schrumpft das vorhandene Material nicht zu sehr, wenn man
lange auf die OP warten muß?
Dr. Krege: Warten auf die OP ist kein technisches Problem,
denn der Penis schrumpft nicht so sehr, als daß es sich
merkbar auf die OP auswirken würde.
Frage
(einer bei Frau Dr. Krege operierten Betroffenen): Es ist
ja wohl bei vielen Betroffenen so, daß die Erwartungen
an das Ergebnis sehr viel höher sind oder hoch geschraubt
werden, als was dann im Nachhinein dabei herumkommt. Vielleicht
wird da zu wenig Aufklärung geboten, und die Patienten
machen es sich vielleicht zu wenig selbst bewußt, daß
es immer ein Ersatz ist, eine Angleichung, die sicherlich nie
an das Original herankommt. Aus meiner Erfahrung würde
ich nie sagen, daß mein Ergebnis so wäre, daß
ich sagen könnte, das ist original. Es ist immer so, daß
ich sicherlich gewisse Einschränkungen habe, mit denen
ich zwar klarkomme, aber die einfach da sind und die sich von
der natürlichen Situation unterscheiden. Ich denke, jede
Betroffene sollte sich bewußt sein, daß das so ist.
Dr. Krege: Ja, das finde ich ganz wichtig, daß
Sie das sagen. Ich spreche das immer gerne in Bezug auf die
Scheidentiefe an. Wenn wir mit einem freien Transplantat arbeiten,
kann ich natürlich auch nicht unendlich viel Haut wegnehmen.
Ich muß die Bauchdecke ja auch wieder zusammennähen.
Dann sage ich immer, zaubern kann ich nun auch nicht, also,
irgendwo sind Grenzen gesetzt.
Frage:
Inwieweit haben Sie Forschungen zum sexuellen Empfinden
betrieben?
Dr. Krege: Wir haben einen Artikel im British Journal
of Urology publiziert. Darin haben wir die Auswertung der ersten
66 Patientinnen beschrieben. 31 mit einer ausreichend lange
Nachbeobachtung von mehr als 6 Monaten sind befragt worden hinsichtlich
Zufriedenheit mit dem Aspekt des Genitale und der Sexualität.
94% waren mit dem äußeren Aspekt des Genitale zufrieden,
76% fanden die Scheidentiefe ausreichend, 84% hatten einen klitoralen
Orgasmus.
Was den klitoralen Orgasmus angeht, so fand ich die Rate sehr
erfreulich. Da muß man natürlich sagen, es ist nicht
immer so, daß, wenn kein Orgasmus stattfindet, man es
nicht immer auf ein mißlungenes OP-Ergebnis zurückführen
kann. Die Sensibilität der Klitoris ist dann oftmals schon
da, aber Orgasmus ist ja nicht nur etwas anatomisch-funktionelles,
sondern hat auch mit der Psyche zu tun. Diesen Faktor darf man
natürlich nicht ganz vergessen. Sie wissen, wie häufig
es Orgasmusstörungen bei Frauen gibt.
Frage:
Gibt es Phantomgefühle?
Dr. Krege: Bei meinen eigenen Patienten habe ich es bisher
nur einmal gehört. Ich denke schon, daß es das nach
Penektomie (Entfernung des Penis) gibt. Und wenn, Phantomschmerz,
wo immer er auftritt, ist recht schwierig zu therapieren.
Frage:
Altersverteilung der Operierten?
Dr. Krege: Als wir angefangen haben, waren die Patientinnen
häufig zwischen 40 und 50. Jetzt werden sie zunehmend jünger,
sind häufig Mitte 20 bis Mitte 30, maximal Mitte 40. Ich
habe das Gefühl, daß, als wir anfingen, noch ein
Großteil der Patientinnen jahrelang herumgeirrt war, weil
nichts geregelt war und sie natürlich auch viel Negatives
erlebt haben. Wenn sich Patienten heute zu diesem Weg entschließen,
ist relativ klar vorgegeben, was zu tun ist, so daß man
es schon in eineinhalb Jahren schaffen kann, bis zur Operation
zu kommen. Das zeichnet sich natürlich auch dadurch aus,
daß die Leute jünger werden, was ja auch sehr schön
ist.
Frage:
Gibt es ein Mindestalter für die OP?
Dr. Krege: Volljährigkeit sollte vorliegen, ist
auch, glaube ich, gesetzlich vorgechrieben. Unsere älteste
Patientin war 59, das ist immer so eine Frage. Wenn die Voraussetzungen
da sind, sehe ich nicht unbedingt einen Hinderungsgrund.
Wir
danken Frau Dr. Krege für den interessanten Vortrag und
die Erlaubnis, diese Mitschrift zu veröffentlichen.
Termine
für ein Vorstellungsgespräch bei Frau Dr. Krege können
vereinbart werden unter 02151-334-2381.
Neue Adresse von Frau Dr. Krege ab 1.6.2007:
Frau Dr. Susanne Krege
Krankenhaus Maria Hilf
Oberdießemer Str. 94
47805 Krefeld
Telefon 02151-334-2381
Weitere
Fotos von Ergebnissen der Arbeit von Frau Dr. Krege
(c)
Airin · transsexuell.de
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